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Praktikumsbericht

Ein Tagesablauf



Ankunft:
Da stand ich nun, mutterseelenallein vor einem großen Haus irgendwo in Kassel. Ich betrat es durch den Patienteneingang, im Wartezimmer herrschte so früh am Morgen noch gähnende Leere.

Da sich nichts rührte, klingelte ich Sturm. Die Tür ins Innere der Praxis flog auf und eine junge Frau musterte mich kritisch.
Ich definierte mich rasch als neue Praktikantin, worauf ihr Blick zwar nicht unbedingt freundlicher wurde, aber an Schärfe verlor.

Sie deutete mir zu folgen und wandte sich um. Ich stiefelte hinterher in den Keller in einen kleinen Raum mit 1000 Türen, halbblind folgte ich durch eine der vielen Türen und stand schließlich in einem Raum mit großen Metallschränken. Einer dieser Schränke enthüllte eine Masse an Pullis in strahlendem Weiß, einige durchsetzt mit Flecken in noch strahlenderem Braun oder Gelb.
Die junge Frau drückte mir einen solchen Pulli, gemustert in Braun-Gelb, der Größe S in die Hand und deutete auf eine Vitrine mit Shirts der selben Optik.
Ich nickte, den Pulli angestrengt von mir weg haltend und sah mich interessiert im Raum um, bis meine Gegenüber endlich denselben verlassen hatte.
Dann hechtete ich rüber zum Schrank, stopfte dieses hässliche Exemplar von Pulli zurück in den Schrank und wühlte mit größter Sorgfalt einen neuen der Klasse M und blütenreinem Weiß hervor, anschließend ein Shirt selben Zustands.



Im Operationsraum:
Nachdem ich einsam durch sämtliche Kellerlöcher, einschließlich die der Nachbarn, so kam es mir zumindest vor, geirrt war, stand ich wieder im hellen Neonlicht der Praxis und wischte mir den Staub und die Spinnweben von der Schulter.
Neugierig öffnete ich die erstbeste Tür und stand prompt mitten in einem der drei Op-Räume.
Zutiefst erschüttert wollte ich die Tür zwischen mir und dem Hund mit dem Loch im Kopf wieder zuschlagen, als ich freundlich herein geboten wurde, ich möge doch bitte hier und da mal zur Hand gehen.
Klar, man hat ja auch an seinem ersten Tag des Praktikums nichts besseres zu tun, als an Tieren herumzuschnippeln.
Soweit kam es dann zum Glück doch nicht, aber interessant wurde es dafür umso mehr.
Alles in allem kann ich sagen, habe ich an meinem ersten Morgen meiner Praktikumswochen gleich einige Tumore entfernt, Katzen kastriert, und einen Kreuzbandriss repariert.



Bei Dr. Döring in der Sprechstunde:
Einige Zeit später ging es dann weiter mit normaler Sprechstunde, insgesamt sind parallel vier Ärzte tätig, ich bin immer im Wechsel mal bei dem Arzt, mal bei dem Arzt mit in die Sprechstunde.
Manchmal wunderte es mich wirklich, mit welchen Problemen einige Leute so in die Praxis kommen. Die Tiere sind quietsch fidel, nur die Besitzer haben große Probleme. Die erste Dame war bestimmt über 50, eine Raucherlunge, dass du von ihrem Atem zum Passivraucher wurdest und knallrote Fingernägel, bzw. Krallen.
Sie hatte einen Mops im Schlepptau, „Otto“. Das Vieh war in meinen Augen sehr bemitleidenswert, wie er so eng an die monströsen Brüste der Frau gepresst schief auf ihrem Arm hing.
Er hätte husten…
Ja, war mir klar, wenn Frauchen qualmt wie ein Schlot, wird jeder unweigerlich zum Passivraucher mit monströser Raucherlunge, selbst „Otto“.
Herr Döring nahm die Probleme dieser Frau mit bewundernswerter Ruhe für sehr wichtig, untersuchte den im übrigen viel zu fetten Mops und erklärte der Frau, ihr Schatz hätte eine leichte Erkältung.
Frauchen gab sich freudestrahlend mit dieser Erläuterung zufrieden, denn wenigstens hatte sie jetzt noch einen Grund mehr, Otto zu betütteln…

Die nächste Patientin war ein Meerschwein, das aus unerfindlichen Gründen nicht mehr fressen wollte.
Während Herr Döring noch in die Tasten seines Rechners haute, um die letzten Klarheiten der vergangenen Behandlung zu beseitigen, präparierte ich das Meerli für die Untersuchung.
Als ich es auf den Rücken drehte, grinsten mich die unteren Schneidezähne auf eine etwas unnatürliche Art an. Bei genauerem Hinsehen musste ich feststellen, dass es seine Zähne auf eine interessante Art und Weise durch die Unterlippe gerammt hatte.
Was sich im ersten Moment etwas bizarr anhört, war ziemlich schnell gegessen, der Doktor stülpte die Unterlippe zurück über die Zähne, desinfizierte es und gab noch eine Salbe zum Abheilen mit.

Als diese Patientin abgefertigt war, streckte Barbara, meine Praktikumsbetreuerin, den Kopf durch die Tür: „Ich brauch mal wen zum Festhalten eines Hundes!“
Auf den Vorschlag des Chefs hin, sie möge doch mich nehmen, musterte sie mich von oben bis unten und schüttelte dann entschieden den Kopf: „Also nein, das geht nun wirklich nicht, mir kann gerne jeder helfen, aber nicht die Praktikantin!“
Ich lächelte zuckersüß und antwortete, dass ich ihr dann wohl auch nicht helfen könne und sie sich wohl jemand anderes suchen müsste, was dann der Anfang einer wunderbaren Freundschaft wurde.



Sprechstundenwechsel:
Da Herr Döring raus fahren wollte zur Pferdeklinik, die parallel zu den Kleintieren läuft, musste ich mir einen anderen Tierarzt suchen.
Meine Wahl viel auf Robert, den ich schon von Behandlungen unserer Pferde kannte und deswegen favorisierte. Er macht mit Dr. Döring parallel die Pferdepraxis und hatte eindeutig den größten Humorfaktor der Klinik.
Er war noch relativ jung, 27, und erst seit drei Jahren praktizierender Tierarzt.
Deswegen sah ich ihn auch als potentielles Opfer bezüglich meiner Attacken in Sachen Studiumsfragen, da sein Gedächtnis wohl noch am frischesten sein dürfte.
Er stellte sich auch tapfer jeglicher Fragenattacke!

Seine erste Patientin war eine Katze, der in einer vorangegangenen Operation ein Verband aufgrund eines Kreuzbandrisses am Hinterbein angelegt worden war. Da die Tiere bei einem derartigen Eingriff logischerweise in Narkose gelegt werden, hatte das kleine Biest relativ wenig Mitspracherecht beim Anlegen der Schiene mitsamt Verband gehabt. Als sie nun aus der Narkose aufwachte, musste sie zu ihrem großen Missfallen feststellen, dass ihr Bein ein wunderschöner, himmelblauer Verband zierte. Aber irgendwie schien ihr die Farbe nicht zu passen, und sie fing an, sich heftig zu wehren.
Ich hatte nun das große Glück, das Vieh für die Besitzer herauf zu transportieren. Da es sich partout nicht in seine Transportbox sperren lassen wollte, und ich bereits sämtliche Körperteile riskiert hatte, griff ich zum äußersten. Ich stülpte einen Drahtkäfig über die Katze, wobei mir der Überraschungseffekt zur Hilfe kam. Dieser Käfig besitzt einen „Schieber“, der die Katzen so fixiert, dass sie Problemlos geimpft werden können. In diesem Käfig trug ich sie dann nach oben, natürlich nicht ohne vorher um jede Ecke der Praxis zu schauen, damit die stolzen Besitzer auch ja nicht mitbekamen, was ich mit ihrem wertvollen Katerchen anstellte.
Als ich schließlich schweißgebadet in Roberts Behandlungszimmer ankam, hatte das kleine Biest sich schon fast wieder aus seiner Pressfixierung befreit.
Unsicher, was jetzt zu tun sei, bat ich Robert, sich wieder der Katze anzunehmen. Ich war schließlich nur Praktikantin und nicht der Selbstmörder für alle riskanteren Fälle. Da ich meinen selbst gewählten Adoptiv-Praktikumsbetreuer nicht zu schnell wieder verlieren wollte, warnte ich ihn vorher. Er beherzigte meine Warnung und gab dem Tier eine kleine Dosis Narkosemittel, um es ruhiger werden zu lassen. Nur wollte diese kleine Kratzbürste auch nach der dritten leicht erhöhten (!!!) Dosis nicht müde werden, ganz im Gegenteil, sie wurde immer unfreundlicher. Was nun?
Da auch Robert sich zu schade war, seine Hände frühzeitig mit Kratzern zu verzieren, holte er denn noch ahnungslosen Chef. Ich konnte diese Idee nur unterstützen, der war sowieso schon so unattraktiv, dem würden ein paar Kratzer mehr oder weniger nicht schaden.
Er missachtete auch prompt jegliche Versuche der Katze, ihn zu warnen, und grapschte sie bar jeglicher Sensibilität aus dem Käfig heraus. Das war nun zu viel für die Gute, und sie explodierte förmlich. Robert und ich schmissen uns noch hinter den Behandlungstisch, Herr Döring jedoch war der nun sehr, sehr bösen Katze hilflos ausgeliefert.
Ich hörte einen Fluch, der für die Öffentlichkeit gänzlich ungeeignet war, und ein schmerzerfülltes „Aua“.
Dann folgten hastige Schritte und ein Türeknallen, Herr Döring hatte das Schlachtfeld geräumt und wir befanden uns wieder alleine mit der unberechenbaren Katze in einem Raum, sie auf der einen Seite des Behandlungstisches, wir auf der anderen. Unter diesen Umständen fiel es uns gar nicht mehr schwer, sich für den Weg der Niederlage zu entscheiden. Robert schob mich in Richtung Tür, und wir beide verließen in angezogenem Tempo den Raum.
Von drinnen hörte man nur noch ein bitterböses Fauchen, aber das konnte uns ja nur noch wenig anhaben.
Ich schlug als letzte Instanz die Besitzerin vor, die schon sehnsüchtig im Wartezimmer auf ihr Schmusetier warteten. Da es sonst wirklich keinen Ausweg gab, erhielt ich grünes Licht. Als ich Frauchen freundlich in das Zimmer des Schreckens komplementierte und dann so offensichtlich Wert darauf zu legen schien, dass sie als erstes durch die Tür trat, wurde sie misstrauisch. Aber ich ließ mich nicht beirren und schob sie durch die Tür.
Doch dann war jedes Misstrauen vergessen, die Dame erblickte ihre heiß geliebte Katze. Jauchzend ließ sie sich auf das Tier fallen und knutschte es von oben bis unten ab. Das Miststück ließ sich das auch schnurrend, als könnte es kein Wässerchen trüben, gefallen. Ich machte innerlich drei Kreuzzeichen, nicht ohne aber die Katze vorher mit ein paar Blicken abzuschießen.
Plötzlich schien auch der Verband nicht mehr der Rede wert, die Leiden der letzten Minuten waren wie weggewischt.
Das bestätigte wieder Mal meine Meinung, das der Hund das ehrlichste und aufrichtigste Tier ist und bleibt.
Robert machte dann kurzen Prozess mit der Dame, versprach, die Rechnung käme per Post und geleitete sie dann in gebührendem Sicherheitsabstand zur Tür.

Als nächstes folgte ein Kanarienvogel, was eine richtige Erleichterung nach dieser Katze zu sein schien. Er könnte ein ausgebildeter Killer sein, so eine handvoll Federn ist nun mal nicht dafür prädistiniert, jemanden umzubringen.

Er hätte Verstopfung.
Naja, in so ein Miniaturhuhn kann man schlecht reinschauen, jede Kamera wäre zu groß. Die einzige Möglichkeit, die mir spontan einfiel, war nicht sehr qualifiziert, also hielt ich meinen Mund. Man kann schließlich keinen Vogel durchpusten, in der Hoffnung, das die Verstopfung unten rausgeblasen wird. Das war erstens nicht sehr medizinisch, und zweitens lief man vermutlich Gefahr, dass der Vogel platzte. Aber so ein ausgebildeter Tierarzt wusste natürlich, was zu tun war. Robert drückte mir den Vogel in die Hand, und machte sich auf die Suche nach dem Zaubermittelchen, was dem bemitleidenswerten Vögelchen helfen würde.
Also stand ich da nun, eine Hand voll gelber Federn. Ich schaute mir den Kameraden mal genauer an, und musste dabei mit Erschrecken feststellen, dass ihm die Füße fehlten. Ich wollte gerade in meiner unersättlichen Neugier fragen, warum so ein Kerl seine Füße wegschmeißt, als ich den Blick der Besitzerin bemerkte.
Fast wäre ich an meinen Worten erstickt, denn sie froren mir augenblicklich im Hals fest. Ihr Blick war eisig, also sparte ich mir die Frage und lächelte nur etwas verunglückt. Ich versuchte die Situation zu retten, in dem ich bemerkte, dass so ein Vogel bestimmt auch ganz gut ohne Füße leben könnte, denn schließlich könne er ja noch fliegen. Wortlos hob die Besitzerin einen der kleinen Flügel an, und ich musste feststellen, dass sie gestutzt waren. Ab dem Moment hielt ich meinen Mund und sagte erst wieder etwas, als die Tür hinter dieser Sympathieträgerin ins Schloss gefallen war.

Dann platzte ich heraus, weil ich jetzt natürlich wissen wollte, warum diese Frau mit einer so offensichtlich negativen Einstellung in die Praxis kam.
Robert erklärte mir, der Vogel hätte von einer damaligen Kollegin eine Überdosis gespritzt bekommen, und als Reaktion drauf hätten sich die Füße entzündet und wären amputiert worden.
Toll, da ereignen sich Tragödien, und keiner hielt es für nötig, mich vor dem metertiefen Fettnäpfchen zu bewahren.

Für den nächsten Patienten, eine Dogge mit Autounfall, der beschlossen hatte, sich tot zu bluten, brauchten wir kiloweise Tupfer, und ich stiefelte in weiser Voraussicht, dass unser Vorrat nicht reichen würde, los, um Nachschub zu besorgen.
Mir blieb nur das Zimmer meiner heiß geliebten Praktikumsbetreuerin, da sich dort die Hauptzentrale für Tupfer jeglicher Ausführungen befand.
Da ich keinen Bock hatte, von ihr wieder als Sklavin für Drecksarbeiten eingespannt zu werden, schlich ich mich in einem Moment, in dem sie glücklicherweise gerade das Zimmer verlassen hatte, hinein und hamsterte eine dreiste Anzahl an Tupfern unterm Arm. Ich wollte mich wieder verdünnisieren, da ging die Tür auf und ein verkommen aussehender Mann mit drei Katzenkörben unterm Arm grinste mich zahn- und schamlos an: „Ahhh, Frau Doktor!!! Das ist ja schön, endlich findet sich jemand, um sich meiner drei Kinderchen anzunehmen.“
Ich stöhnte innerlich auf und setzte an, etwas zu sagen, doch bevor ich das Missverständnis korrigieren konnte, blitzte mich Barbara durch den Türrahmen an. Zum zweiten Mal an diesem Tag wäre ich fast an meinen Worten gestorben. Ich trat die Flucht nach vorne an und drängelte mich an Barbara vorbei, wobei ich ihrer Visage, bedeckt mit einem nicht sehr femininen Bart, gefährlich nahe kam. Ich murmelte ein “Ich hab’s eilig“ und warf mich um die nächste Ecke, um nicht von den mir hinterher geworfenen Blicken aufgespießt und erstochen zu werden.
Jetzt machte ich mir Sorgen um Robert, der mittlerweile sicherlich in Blut ertrunken war. Aber als in sein Zimmer kam, stand die Dogge schon wieder und wirkte eigentlich ganz munter. Der Boden sah ziemlich verschmiert mit Blut aus, aber das war nur noch halb so wild.
Erleichtert beugte ich mich runter, um dieses Blut- und Doggensabbergemisch aufzuwischen. Erfreut, endlich jemanden zum Kuscheln zu haben, schlabberte mir die Dogge durchs Gesicht. Das war nun etwas zuviel des Guten, und ich stand prustend wieder auf. Der Besitzer sah meine Not und lächelte vergnügt: „Das macht gar nichts, Winston findet Sie nett. Außerdem macht Doggensabber schön!“ Als ich ihn etwas böse anfunkelte, beeilte er sich, hinzu zu fügen, dass ich das aber ganz sicher nicht nötig hätte.
Während ich mir die restlichen Schlieren aus dem Gesicht wischte, hatten Robert, der Besitzer und Winston ganz offensichtlich ihren Spaß.





Endlich Mittagspause:
Die Mittagspause nahte, und ich spielte mittlerweile mit dem Gedanken, mich an eine Infusion mit künstlicher Ernährung zu hängen, da ich langsam das Gefühl bekam, aus den Latschen zu kippen, wenn ich nicht bald etwas zwischen die Kiemen bekäme. So lange Perioden ohne Nahrung war ich einfach nicht gewohnt.
Mein Magen gab das auch hörbar zu verstehen.
Robert hörte es, und fragte freundlich, ob ich nicht Lust auf nen Döner hätte.
Ich nickte ziemlich heftig, und sein Lächeln wurde noch breiter. Ich fragte mich, was daran so erfreulich war, dass ich Hunger hatte, aber ich erfuhr es relativ schnell.
Er gab mir genaue Anweisungen.
Zu Fuß wären es nur 10 Minuten (im Endeffekt waren es 20), er hätte gerne einen Döner mit Schafskäse und ich solle mich beeilen, da die Dönerverkäufer es besonders auf junge Klinikmitarbeiterinnen abgesehen hätten und sie nicht so schnell wieder gehen lassen würden.
Da ich ja quasi bereits „zugesagt“ hatte, nickte ich ergeben, ließ mir das Geld für die Döner geben und macht mich auf die lange und beschwerliche Reise.
Einmal angekommen, bestellte ich die Döner und ließ mich fataler Weise in ein Gespräch verwickeln. Ob ich neu wäre, wie lange ich bleibe ect. pp.
Als die Döner fertig waren, würgte ich die zwei jungen Türken unsanft ab, ich würde sie ja eh nie wieder sehen, schnappte mir die Döner und schleppte mich und sie zurück zur Klinik.
Wieder da, drückte ich Robert seinen Döner in die Hand und fiel über meinen her, als hätte ich nicht einen Morgen, sondern zwei Wochen nichts mehr zu futtern bekommen.
Als ich fertig gegessen hatte, beschloss ich, mich ein bisschen genauer in der Klinik umzusehen. In jedem Behandlungsraum standen Unmengen an medizinischen Büchern, die mich interessierten. Ich nahm mir eins über tropische Krankheiten von Nutztieren und blätterte es durch. Eine Tierart dominierte es so eindeutig, dass es ein Nutztier hätte sein können. Es war aber keins, es war die Made. Wo die so alles vorkam, war schon widerlich, und ich war dankbar, in gemäßigteren Breiten zu wohnen. Schönes Wetter hin oder her, auf diese kleinen fetten Würmer in diesen Massen konnte ich verzichten.



Pferdepraxis:
Nun schienen auch die anderen Ärzte ihre Mittagspause beendet zu haben, denn langsam kam Leben in die Praxis.
Robert störte meine intensiven Studien über die Made, als er an die Tür klopfte und fragte, ob ich mit raus fahren möchte, Pferdepraxis machen.
Da mir als Alternative ein höllischer Nachmittag Barbara bevorstand, willigte ich freudig ein. Als erstes fuhren wir in die etwas außerhalb gelegene Pferdeklinik.
Es war eine schöne Anlage mit freundlichen, hellen Ställen und einer niegelnagel neuen Reithalle. Robert legte spontan eine Privatführung ein, und ich rechnete mir insgeheim aus, wie lange ich Tierärztin sein müsste, um mir das leisten zu können, ich kam auf eine verdammt lange Zeit.

Dann bekam ich den Tagesplan erklärt. Als erstes würde Robert ein Pony einschläfern müssen, dann ein Pferd mit Husten behandeln und anschließend noch einen Hengst kastrieren.
Das erste passte mir jetzt nicht so, aber die letzten beiden Fälle reizten mich schon, also fuhr ich mit.
Wir kamen an den Hof, ich hörte das Pony schon von weitem. Es stand sondiert auf einer Koppel, getrennt von seinen Pony-Kumpeln. Es wirkte noch total fit, aber als der Besitzer es herausführte, sah ich, dass es vor Arthrose kaum gehen konnte.
Es wurden einen Abhang hinab geführt, um es nachher günstiger auf den Abdeckwagen verladen zu können. Da mir jetzt schon die Tränen herab liefen, blieb ich oben am Berg stehen, da die Besitzer sicherlich nicht auch noch eine heulende Praktikantin gebrauchen konnten.
Robert winkte mich aber runter, und da es eine etwas unpassende Situation für Diskussionen war, schlenderte ich so langsam wie möglich den Berg hinunter. Ich war aber noch zu schnell, das Pony wieherte immer noch.
Robert hatte die Spritze auf die für ihn typische Art hinter sein Ohr geklemmt und näherte sich behutsam dem Pferd. Er das Pony begrüßte ihn schnaubend und ließ sich von ihm streicheln. Immer noch das Pony streichelnd, setzte er die Spritze am Hals an. Dann ging alles ganz schnell. Das Mittel lief durch die Venen direkt zum Herz des Pferdes, das Pony knickte lautlos in den Beinen ein und brach endgültig zusammen.
Noch lange danach überprüfte er den Kreislauf des Pferdes, um auch die letzten Zweifel zu beseitigen, das Tier könnte noch leben.
Erst als er ganz sicher war, und auch die Besitzer überzeugt schienen, durfte der Abdecker seinen Lkw heranfahren und das Pferd aufladen.

Wir warteten gar nicht mehr ab, bis der Abdecker abgefahren war und fuhren zum nächsten Patienten, ein amerikanisches Pferd mit Husten.
Robert bereitete die Bronchioskopie vor, in der in den Hals des Pferdes mit Hilfe einer Kamera geschaut wird, die durch die Nase des Pferdes an einem Schlauch eingeführt wird und dann die Luftöhre filmt.

Viel konnte man nicht sehen, manchmal bedeckt ein weißlicher Schleim die Wände, so war das bei unserm Pferd damals, aber hier konnte man nichts entdecken, also nahm Robert noch eine Probe.
Auch die sollte später nichts Gravierendes bringen.
Er verschrieb einige Medikamente, und bei der Nachuntersuchung ließ sich eine deutliche Besserung feststellen.

Als auch dieser Patient abgefertigt war, fuhren wir wieder zurück in die Klinik, wo unser kleiner Hengst heute seine Kronjuwelen lassen sollte. Der schien auch einiges zu ahnen, denn er wehrte sich mit allen ihm zu Verfügung stehenden Mitteln. Er war ein sehr schönes Tier, was ihm aber in diesem Fall nicht viel half, schließlich siegte das Narkosemittel über seine Kraft, und er schlief selig den Schlaf unschuldiger Pferde. Operiert wurde er in einer Box, die auch gleichzeitig die Aufwachbox darstellte, sie war mit Gummimatten an den Wänden verkleidet, um das Verletzungsrisiko zu vermindern.
So eine Operation stellte sich als relativ unspektakulär heraus, sie ging schnell und war unkompliziert. Zum Schluss bekam der Hengst noch eine Maske auf, wie sie Kickboxer im Fernsehen trugen, um seinen Dickschädel vor eventuellen Aufschlägen nach der Narkose zu schützen.

Mittlerweile war es ziemlich spät geworden, mein Vater rief an und fragte, ob ich in der Klinik übernachten wolle oder ob er mich jetzt abholen könne.
Ich fand den ersten Gedanken ziemlich verlockend, da auch nachts einige Notfälle durch Kassel liefen, aber das hätte sicherlich den Kanarienvogel abgeschossen, also ergab ich mich in mein Schicksal und ließ mich abholen.
26.11.06 12:07
 


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